Athen – Nafplio – und eine Traumhochzeit

Was zur Hölle mache ich hier eigentlich schon wieder? Verschlafen stehe ich in Frankfurt-Höchst und warte auf den Bus zum Flughafen. Beunruhigt checke ich mehrfach den Fahrplan – wenn dieser Bus (über den wir auf Homepage, Apps und Aushang verschiedenste Abfahrtszeiten recherchiert hatten) nicht gleich um die Ecke biegt, habe ich ein Problem. Selbst in einer Großstadt fahren morgens um 4 Uhr nicht im 10-Minuten-Takt Bus und Bahn. Nervös anhand meines ersten Fluges alleine (!!!) ignoriere ich meine Panik-auslösenden Gedankenspiele und atme erleichtert auf, als der prall gefüllte Bus vor meiner Nase hält. Was ich allerdings nicht bedacht habe (und mir altem Planungsgenie erstaunlicherweise erst bewusst wird, als ich am Flughafen aus dem Bus steige): der Frankfurter Flughafen ist dann doch etwas weitläufiger als mir lieb ist. Doch das Schicksal scheint meine Nervosität nicht weiter strapazieren zu wollen: Der Bus zu meinem Terminal fährt in diesen frühen Stunden zwar nur einmal pro Stunde – jedoch 8 Minuten nach meiner Ankunft. Nicht das letzte Mal an diesem Tag seufze ich erleichtert auf. Von da an läuft alles reibungslos und beinahe gewöhne ich mich an den Flug (aber auch nur beinahe!). Erneut bekomme ich große Augen beim Landeanflug als ich diese Stadt erblicke, die mich bereits beim ersten Aufenthalt direkt gefangen genommen hat. Mit stolzgeschwellter Brust anhand meiner Ruhe (oder zumindest etwas ähnlichem) steige ich in Athen aus dem Flugzeug und kann mein kleines Abenteuer kaum mehr erwarten. Direkt vor dem Flughafen finden sich die Busse, es herrscht die so typische (und für mich) hektische Atmosphäre, alles wuselt durcheinander, alles hat die Ruhe weg und diese Stimmung überträgt sich schleunigst auch auf mich. Flott ist das Ticket zum Busbahnhof gebucht und in der brütenden Hitze Athens setzt sich der Bus kurz darauf in Bewegung. Ich genieße die kleine Rundfahrt durch die Stadt und freue mich insgeheim schon auf den letzten Tag meiner Reise, an dem ich dieser Stadt noch einmal einen Besuch abstatten werde. Verwöhnt von strukturierten ZOBs überfordert mich die Ankunft am Athener Busbahnhof dann doch etwas und ich bin froh, dass ich mein Abenteuer ab hier vorerst nicht mehr alleine fortsetzen muss. Busse überall, eine klimatisierte (Danke!) Halle mit unzähligen Schaltern, eine Sprache die ich nicht verstehe, (nun wirklich) hektisch wuselnde Menschen, weitere unklimatisierte Schalter gegenüber der klimatisierten Halle (damn) und zwischendurch noch ein Junkie. Der nächste Bus ist ausgebucht – was jedoch keinerlei Problem darstellt, da diese Verbindung im 90-Minuten-Takt die Stadt verlässt. Die Zeit lässt sich leicht bei einem kleinen Snack (klimatisiert!) überbrücken und so starten wir guter Dinge (klimatisiert!) in Richtung Nafplio. Trotz hunderter Eindrücke der sich verändernden Landschaft und unzähliger Gesprächsthemen fallen wir beide zügig in einen kleinen Mittagsschlaf und bekommen von den ca. 90 Minuten Fahrt nicht besonders viel mit. Ich schrecke lediglich einmal aus dem Schlaf, als der Bus mit einem lauten Hupen eine der vielen Haltestellen anfährt. Von da an beobachten wir belustigt, wie der Bus auf den Wunsch der Fahrgäste wahrlos an dieser und jener Ecke anhält und die Reisenden freundlich dankend den Bus verlassen. Dass die Gepäckklappe noch nicht vollständig geschlossen ist hält den Busfahrer keineswegs davon ab, das Gaspedal durchzudrücken. Ich bin ein weiteres Mal erstaunt über die Gelassenheit der griechischen Bevölkerung und genieße schmunzelnd das Szenario. Durch meine Recherche im Vorfeld hatte ich bereits eine grobe Vorstellung von der kleinen Hafenstadt auf der Halbinsel Peloponnes – und doch verschlägt es mir schnell die Sprache. Eine schöne Hafenstraße, kleine Gässchen, überall Bänke die zum Verweilen einladen; aufgeregt steige ich aus dem Bus. Und mein erstes Ziel ist bereits lange festgelegt: Die Palamidi-Festung. Mir ist bewusst, dass 999 Stufen bei akutem Schlafmangel und fast 40° nicht gerade die beste Idee sind. Aber vernünftig war ich in diesem Bezug noch nie und so gebe ich mein Gepäck in vertrauensvolle Hände und stapfte los zu meinem nächsten kleinen Abenteuer. Als könnten mir 999 Stufen etwas anhaben! Und wie sie das konnten…

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Ich bin froh, dass es schon später Nachmittag ist und kaum jemand noch unterwegs zu sein scheint. Denn nach dem 1. Drittel muss ich gefühlt alle 100 Stufen Pause machen – selbstverständlich um den atemberaubenden Ausblick für die Eiwgkeit einzufangen! Naja, und vielleicht auch, um meine beinahe platzenden Lungen etwas zu beruhigen…So nah mein Kreislauf dem Kollaps war – es war es wert! Bereits von den ersten Stufen aus überblickt man die hübsche Altstadt mit ihren kleinen, süßen Häusern mit ihren roten Ziegeldächern, die auf einer Landzunge liegt; und das in so verschiedenen Blautönen funkelnde Meer ist umrahmt von Bergen. Ich genieße schwer atmend den Anblick (zum wohl 13. Mal) als ich von einem älteren Ehepaar mit mitleidigem Blick überholt werde. Beinahe bin ich etwas gekränkt, das ändert sich jedoch schnell als ich sie nach der nächsten Kurve wieder einhole – ebenfalls schwer atmend werfen sie mir nun einen verständnisvollen Blick zu und gemeinsam brechen wir in schallendes Gelächter aus. Nachdem ich (ohne genau zu wissen, wie) die Qual der 999 Stufen überstanden habe, schrecken mich auch die 8 € Eintritt nicht mehr ab – und auch das sollte sich lohnen. Das Gelände ist weitläufig und bietet einen traumhaften Rundumblick über die gesamte Stadt, das Meer und die scheinbar am gesamten Horizont aufragenden Berge. Glückselig genieße ich eine zeitlang nur die warmen Sonnenstrahlen und das sich sofort einstellende Urlaubs-Gefühl, bevor ich mich an den Abstieg wage, der deutlich entspannter vonstatten geht, als ich befürchtet habe.

 

 

So hübsch die Altstadt von der Höhe der Festung aus wirkt, so bezaubernd ist sie aus der Nähe. Die kleinen Gassen sind gesäumt von kleinen Läden, Cafés, Restaurants, knallbunten Häusern und Blumen in so kräftig strahlenden Farben, dass es beinahe unecht wirkt. Die Menschen in den Cafés und Restaurants sitzend entspannt plaudernd beisammen und verströmen eine so gelassene Atmosphäre, dass es unmöglich ist, sich dieser zu entziehen. Eine kleine, private Autofahrt mit der angehenden Braut bringt mich nach Tolon, in ein gemütliches Hotel – mit Infinity-Pool und Meerblick, wo wir abends noch direkt am Strand das fantastische griechische Essen genießen. Life could be worse!

 

 

Vor dem eigentlichen Highlight meines Kurzabenteuers (der traumhaften griechischen Hochzeit) lasse ich es mir nicht nehmen dem Meer einen kurzen Besuch abzustatten und bin auch hier mehr als begeistert: Der Strand ist überhaupt nicht überlaufen, überdachte Sitzgelegenheiten schützen vor der brennenden Sonne, das Meer ist kristalklar, so dass ich den (ohnehin wenigen) mich ekelnden Fischen problemlos aus dem Weg schwimmen kann.

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Der spätere Weg zur Kirche beweist mir, dass es ein Muss ist, sich hier einen Mietwagen zu gönnen: Die steilen – nennen wir sie mal Straßen („Schaffen wir das im 1. Gang oder müssen wir rückwärts rauf?!“) führen immer höher in abgeschiedene Natur und bieten einen Ausblick, der sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Und auch hier gilt: Die Mühe (die in diesem Falle jedoch unser Auto auf sich nehmen musste) hat sich mehr als gelohnt. Von der Hochzeit, die in einer kleinen bezaubernden blau-weißen Kirche stattfindet, verstehe ich leider so gar nichts; vor lauter Staunen purzel ich mehrfach beinahe in das Taufbecken (oder eher den Taufbrunnen…). Das tut dem ganzen aber keinen Abbruch und ganz klischeehaft treten mir öfter als einmal die Tränen in die Augen. Auch bei der anschließenden Feier verstehe ich nicht immer alles, was man versucht mir mitzuteilen (was auch am sensationell guten Rotwein liegen könnte) und begehe einen fatalen Fehler: Ich halte die Vorspeisen für das Hauptgericht. Als eine nette Dame uns 15 Minuten später strahlend verkündet, dass wir uns nun am Buffet unsere Hauptspeise aussuchen dürfen, fällt mir die Kinnlade nach unten. Wie kann man denn so viel essen?! Schweren Herzens muss ich kapitulieren und schaffe es an diesem Abend lediglich noch, ein Stück der Hochzeitstorte zu probieren (ehrlicherweise war auch das eher ein Bissen als ein ganzes Stück…). Selbst beim Frühstück am nächsten (Spät-)Morgen ist es mir völlig unmöglich, mehr als ein Stückchen Toast zu verspeisen und ich muss über mich selbst lachend mit den Augen rollen, weil es mir wirklich gelungen ist, mich an einer Vorspeise so derartig zu überfressen.

 

 

Nach einigen entspannten Stunden im Pool breche ich aufgeregt, aber auch etwas wehmütig in Richtung Nafplio auf, nachdem ich mich ausgiebig kuschelnd von meinem neuen Liebling, dem Vierbeiner, verabschiedet habe (love is in the air!). In Nafplio wartet ein weiterer Abschied auf mich und ich trenne mich schweren Herzens von Mr. und Mrs., nehme erneut den Bus und ärgere mich ein wenig über meine Müdigkeit auf der Hinfahrt. Der Blick durch das Land ist einfach unglaublich, die Landschaft wechselt so häufig ihre Facetten, dass es mir schwer fällt, alles in meiner Erinnerung abzuspeichern.

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In Athen angekommen springe ich (daran hatte ich mich bereits gewöhnt) das 2. Mal an diesem Tag unter die Dusche um danach aufgekratzt diese beeindruckende Stadt zu erkunden. Da wir bei unserem letzten Aufenthalt die Akropolis und deren Museum nicht besichtigt hatten bin ich fest entschlossen, dieses Versäumnis nun nachzuholen. Als ich die Preise sehe flammt kurz die Hoffnung in mir auf, bis mir einfällt, dass mein Studentenausweis sicher in Frankfurt liegt und so gewinnt dann doch der Schwabe in mir. Aber auch das stellt kein größeres Problem dar, da einem der nahegelegene Hügel Areopagus nach einem kurzen steilen, aber eben kostenfreien Aufstieg einen unbezahlbaren Blick auf die Akropolis, aber vor allem einen atemberaubenden Panoramablick über das pulsierende Athen bietet. Da ich mich an diesem Anblick nicht sattsehen kann gönne ich mir ein paar Minuten der Ruhe und lasse einfach die Atmosphäre auf mich wirken, bevor ich mich auf einen letzten Abendspaziergang begebe und durch die vielen Gassen Athens streife.

 

 

Am Athener Flughafen überkommt mich ein bisschen die Wehmut, dieses wunderschöne und so facettenreiche Land und ihre so herzlichen Bewohner schon wieder verlassen zu müssen. Auch dieser Flug vergeht ohne größere Angstzustände, was vor allem daran liegt, dass ich vor Erschöpfung und anhand all der Eindrücke der letzten Tage direkt wegdämmere. In Frankfurt gelandet wird meine Geduld dann doch noch einmal auf die Probe gestellt, als wir ewig lange auf unser Handgepäck warten müssen. Und doch kann ich kaum fassen, dass ich wirklich ganz alleine geflogen bin. Was vor einem Jahr noch absolut unvorstellbar war, ist nun kaum mehr der Rede wert und ein bisschen stolz auf mich selbst nimmt dieser wundervolle Kurzurlaub seinen perfekten Abschluss als ich mein persönliches Begrüßungsschild in der Menge erblicke 🙂

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