
Was für ein Jahr. Erinnert man mich daran, dass wir uns vor fast genau einem Jahr alle heulend in den Armen lagen, freudetrunken über den heiligen Rasen des Müngersdorfer Stadions wandelten, vor Vorfreude die neue Saison nicht abwarten konnten, jedem Einzelnen am liebsten ein Denkmal gebaut hätten – dann weiß ich nicht so genau, was ich empfinden soll. Hin und wieder schnaube ich resigniert, dann ziehe ich die rechte Augenbraue nach oben, ein ander Mal überkommt mich eine Gänsehaut, dann schüttele ich doch wieder ungläubig den Kopf. Die Floskel ist so alt, aber so passend: Fußball kann so grausam sein. Und der FC kann das auch ziemlich gut.

Der 6. Abstieg aus der Bundesliga, 22 mickrige Pünktchen, 35:70 Tore, 43 Spiele: Davon 9 Siege, 7 Unentschieden und 27 Niederlagen. Unmengen verletzter Spieler, ein flüchtender Sportdirektor, mental erschöpfte Restspieler, eine endende Trainer-Ära, immer größer werdende Gräben zwischen Fans und Verein, selbst zwischen den Fans; Chaos, wohin man blickt. Betrachtet man die reinen Fakten, atmet man nicht nur einmal tief durch, dass diese Saison des Schreckens ein Ende gefunden hat. Doch so paradox es klingt, sie hatte dennoch so viel zu bieten…

Die unsterbliche Nacht vor London, die uns allen auch heute noch Tränen in die Augen treibt; das erste Heimspiel im Europapokal mit Choreo und Gänsehaut-Atmosphäre; unvergessliche und erlebnisreiche Reisen nach Weißrussland und Serbien, deren Anekdoten uns auch an noch so schweren Tagen zum Lachen brachten; zwei so wohltuende Derbysiege in der Rückrunde; ein so trauriger aber auch schaurig schöner Abschied in Freiburg; auch am Ende ein fast durchgehend gefülltes Stadion und, das Wichtigste: die Menschen.

Nicht nur die Menschen, die diese Leidenschaft mit mir teilen, mehrfach die Tränen der Enttäuschung beiseite gewischt haben, mir Halt gegeben haben, mir gut zugeredet haben, mir den Rücken stärken, mich jedes Wochenende begleiten und die mir so viel mehr als nur Kollegen oder Freude geworden sind – sondern meine zweite Familie. Vor allem auch diese Jungs, die sich zu unserem Verein bekennen. Die Hectors, Horns, Risses und Högers dieser Welt. Die sich ihrer Verantwortung stellen, ihre Fehler wieder gut machen möchten, die nicht nur Wappen küssen und große Reden schwingen, sondern denen auch Taten folgen lassen. Die wissen, was sie an Stadt und Verein haben. Die beweisen, dass sie den FC im Herzen tragen. Sie zeigen ganz Fußball-Deutschland, wie besonders dieser Verein ist. Wie wohl man sich hier fühlen kann und wie schwer es einem fällt, diese Liebe hinter sich zu lassen.

Und letztendlich das, was für immer bleibt: Die Kurve. Die an jedem guten aber vor allem an jedem schlechten Tag da ist. Die sich ihre Liebe und ihre Leidenschaft von niemandem nehmen lässt. Die sich nicht immer einig ist aber die immer wieder zueinander findet. Und solange diese Kurve, diese bedingungslose Liebe der Fans zu ihrem Verein besteht, wird der FC niemals untergehen und auch diesen Abstieg überstehen.
Liebe Bundesliga, es war uns ein Fest. Wir sehen uns im Sommer 2019!

Meine persönliche Saison 2017/2018:
Bundesliga: 30/34
DFB-Pokal: 2/3
Europapokal: 6/6
Auswärtskilometer: ca. 17.126
erfolgreich überwundene Flugangst: 7/7