Es ist immer etwas ganz besonderes, ein neues Stadion das erste Mal zu betreten. Mein Herzensverein hat mich mittlerweile bereits in über 40 Stadien (nennen wir sie alle einfach mal „Stadion“ ;)) in 5 verschiedenen Ländern geführt. Aber nichts, absolut nichts ist vergleichbar mit der Nacht vom 14. September 2017.
Nach 25 Jahren das erste Europapokalspiel des 1. FC Köln. In London. Bei den letzten Spielen konnte ich gerade einmal laufen, geschweige denn hatte ich eine Ahnung, wer der 1. FC Köln war. Und nun stand ich dort. In dieser Masse. Nach unzähligen Stunden im Bus. Mein erster Blick aufs Emirates war umrahmt von einem blassen Regenbogen. Als hätte jemand ein kitschiges Drehbuch nur für mich geschrieben. Ich wollte, dass diese lange Zeit des Wartens nun endlich vorüber war, wollte hinein, wollte solange supporten, bis ich keine Stimme mehr hatte, bis mir schwindelig wurde, wollte jede Sekunde aufsaugen, jede einzelne Gefühlsregung für immer behalten. Stattdessen stand ich im immer enger werdenden Gedränge vor dem Einlass. Ein paar Polizisten die zwar sehr freundlich aber leider wenig informativ auftraten. Diese Unberechenbarkeit, nicht zu wissen, wie die Masse in der Dunkelheit hinter einem reagieren würde – mich beschlich ein ungutes Gefühl. Nach ermahnenden und beruhigenden Worten der aktiven Fanszene, die sich bereits im Stadion befanden, konnte der Einlass endlich fortgesetzt werden. Un aff dafür! Ticket gezeigt, durch den beengten Eingang gequetscht, aus der Menge geschält und erst mal tief durchgeatmet. Kurzes Händchen halten um die zittrigen Hände zu beruhigen – und ab in den Gästeblock! Wie würde das Stadion von Innen aussehen? Welche Perspektive würden wir einnehmen? Wie wäre die Akustik? Meine Gedanken überschlugen sich – in dem Moment, als ich den Gästeblock betrat und das gleißende Flutlicht mich blendete verschlug es mir (nicht zum letzten Mal an diesem Abend) völlig die Sprache. Das Stadion füllte sich immer weiter mit Kölnern, die Gesänge schallten durch das Stadion und jagten mir eine Gänsehaut über den gesamten Körper. Wir drängten uns durch die Masse, fanden den ein oder anderen wieder, blieben einfach irgendwann stehen, nicht in der Lage, unsere Augen von dieser faszinierenden Kulisse zu wenden. Während wir uns von der Stimmung mitreißen ließen ertönte er endlich: Der so lang ersehnte Anpfiff! Der Support war elektrisierend, das Stadion erzitterte unter unseren Stimmen, niemand stand still! Die Mannschaft lieferte von Beginn an eine so packende Partie; und dann kam die 9. Spielminute. Während Córdoba unerwartet an den Ball kam konnte jeder sehen: Der Torwart stand zu weit vor dem Tor. 10.000 Stimmen raunten: „Schieß! Schieß!“ Der Rest ist FC-Historie. Und im Gästeblock brachen alle Dämme. Menschen lagen sich in den Armen, schrien ihr Glück hinaus, brachen in Tränen aus, ich drehte mich im Freudentaumel so oft um mich selbst, dass ich die Orientierung verlor, es war der berauschendste Augenblick meines Lebens. Hätte man in dieser Sekunde die Europapokalrunde beendet, ich hätte das Gefühl gehabt, alles Bedeutende bereits erlebt zu haben. Wir sprangen, wir brüllten, wir sangen, wir feierten diese niemals wieder kommende Nacht. Dass der FC noch verlor? Geschenkt! Während das Stadion bereits lange leer war standen wir weiter im Gästeblock und besangen ununterbrochen den Europapokal. Egal, was die Presse schrieb. Egal, was vorgefallen ist oder nicht. Dies war eine magische Nacht. Ein Beweis dafür, wie sehr die Kölner ihren Verein lieben, wie groß die Sehnsucht nach europäischen Spielen war, mit wie viel Leidenschaft und bedingungsloser Verbundenheit wir unseren Verein begleiten. Eine magische Nacht, die uns nie wieder jemand nehmen kann.